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Magazin ANTENNE

ANTENNE September/Oktober 2010

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Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Ein nicht zu heißer Sommernachmittag, ein Stuhl mit Aussicht, eine schöne Tasse Kaffee. Der Duft aus der Rösterei schwebt über dem Platz, umgibt ihn von allen Seiten.
Dazu eine frische Brise auf der Haut, die angenehme Musikfetzen im Schlepptau mit sich bringt… alle Sinne sind angeregt.
Fast mitleidig blickt der so verwöhnte Zeitgenosse einer Zeitgenossin nach, die über den Platz eilt, einen Pappbecher mit Strohhalm in der Hand, aus dem sie ihren „Coffee to go“ saugt. Das ist kein Kaffee aus Togo, sondern Kaffee zum Mitnehmen. Eine praktische Idee, man hat den Kaffee, der eine kleine Pause markiert und kann trotzdem schnellen Schrittes zum nächsten Termin eilen.
Solche Instantlösungen für Eilige gibt es auch in andern Fällen: Pizza to go, Muffin to go. Sinn to go? Gibt’s auch. Ein flotter Happen Seelenfutter an der Wellness-Theke, fünf Minuten gewaltfreies Ausatmen samt Nacken-Massage mit kosmischer Berührung, ein Ausflug in die Astralwelt beim freischaffenden Guru um die Ecke. Instanterlösung in der Mittagspause ist durchaus anerkannt.
In unserer entchristlichten Gesellschaft gibt es schon Hunger nach Spiritualität. Naschen macht aber nicht satt und halbe Portionen reichen nicht über den Tag hinaus. Über den Tag und auch über den duftenden Marktplatz hinaus, über Jahrtausende hinweg weht durch das Leben vieler Menschen eine Erfahrung, die einst auch ein König namens David gemacht hat: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ David weiß um den Sinn, kennt Geborgenheit, hat sich auf eine langwierige und oft auch schwierige Beziehung zu Gott eingelassen. Er hat die Dankbarkeit entdeckt, wohl mehr noch als der seinen Kaffee und sein Leben genießende Mensch an einem nicht zu heißen Sommernachmittag auf einem Stuhl mit Aussicht.

von Angelika Fries

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Leserbrief zu diesem Beitrag

Von Walter Hesekiel am 30.07.2010, 17:54 Uhr.
Schon den ganzen Tag amüsiere ich mich, wie Sie mich heute morgen - unwissentlich natürlich - auf eine falsche Fährte gelockt haben. "Sinn to go"? Ich habe "sin to go" assoziiert. Ist das nicht naheliegend, wenn ein Zeitgenosse einer Zeitgenossin nachschaut? Ist im Umfeld ERF "Sünde" als Thema nicht mindestens so naheliegend wie "Sinn"? Und "sin to go" ist viel englischer! "Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn ihm die schöne Nachbarin gefällt" - war ein Schlager vor einiger Zeit. Von Nachbarin kam ich auf Bathseba und schließlich auch auf David und seinen Psalm und seine "schwierige" Beziehung mit Gott. Können Sie mit schmunzeln? Im Übrigen ein wunderbar lockerer stimmungsvoller Anstoß!
Herzlichen Dank!